Der vermeintlich barrierefreie Zugang des Rathauses Hannover

- ein Erlebnisbericht -

Barrierefrei sind bauliche […] Anlagen, […], wenn sie für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. (§4 BGG)

All das trifft auf das Rathaus aus meiner Sicht nicht zu. Zunächst die „allgemein übliche Weise“. Die Mehrzahl der Besucher*Innen und Benutzer*Innen des Rathauses betreten das Gebäude über eine Treppe und gelangen direkt in eine schöne und große Eingangshalle. Dort gibt es vermutlich, ohne dass ich es weiß, eine Information, um weitere Informationen zu Räumen und Zuständigkeiten zu erfragen. Wenn ich die Eingangstreppe nicht benutzen kann, stellt sich die Situation anders dar. Als Rollstuhlfahrer, muss ich mit einem Fahrstuhl zunächst ins Untergeschoss und dann mit einem zweiten Fahrstuhl wieder nach oben fahren, um schlussendlich zu einem anderen Ausgangspunkt als andere Besucher*Innen zu gelangen. Von allgemein üblicher Weise kann keine Rede sein.

Nächster Aspekt: „ohne besondere Erschwernis“. Vor dem Rathaus ist Kopfsteinpflaster verlegt. In meinem speziellen Fall unproblematisch, aber für einen guten Freund von mir eine große Hürde. Als nicht Ortskundiger muss ich den Fahrstuhl erstmal finden. Solange die Tür des Seiteneingangs nicht gerade zufällig offensteht, ist diese nicht gut zu sehen. Selbst wenn ich den Fahrstuhl dann finde, ist es kontraintuitiv zunächst in den Keller zu fahren, obwohl ich in den ersten Stock möchte. Daher bin ich gestern wieder rausgefahren und habe nach einem weiteren Eingang gesucht. Auch vorbei gehende Passanten konnten mir keine zuverlässige Auskunft geben. Nach einer kurzen telefonischen Information bin ich dann doch diesen besagten Umweg gehfahren. Eine zeitraubende und irritierende Reise, zumal der zweite Fahrstuhl recht stark frequentiert schien und ich somit entsprechend lange warten musste. Oben angelangt, war wiederum die Orientierung nicht auf den ersten Blick möglich. Die Beschilderung war darüber hinaus teilweise schlecht bis gar nicht zu lesen. Das Betreten des Rathauses ist also nur unter besonderer Erschwernis möglich. Erst recht für jemanden, der nicht „bloß“ gehbehindert, sondern darüber hinaus eventuell auch noch sehbehindert ist.

Dargestellte Situation macht auch deutlich, dass ein Betreten und Nutzen nicht ohne fremde Hilfe möglich ist. Aspekte wie ein nicht barrierefreier Aufzug finden hier keine Erwähnung, sind aber ebenfalls kritisch zu sehen.

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